Rezept für einen Gentleman-Driver*

Franco Gozzi, von 1961 an PR-Verantwortlicher und ‚rechte Hand‘ Enzo Ferraris, zeitweise Rennleiter und schließlich bis 1996 an der Seite von Luca Cordero di Montezemolo, verrät das

Rezept für einen Gentleman-Driver*

Man nehme jemanden beliebigen Alters, begeistert von schöner Mechanik, vorzugsweise ausgestattet mit einem guten Vermögen.

Man öffne sein Herz, suche nach der sportlichen Passion, die man mit Respekt behandele, prüfe sein Talent : beide Teile sind leicht zu erkennen, denn in der Regel ist die Begeisterung größer als das Talent.

Separat bereite man ein Fahrzeug vor, egal welcher Marke, Hauptsache eine Startnummer ist aufgepinselt : klar, am besten ein Ferrari, aber es gehen auch Maserati, Alfa Romeo, Porsche, Jaguar etc..

In dieses Fahrzeug setze man den Betreffenden, eingehüllt in einen Sport-Overall, verziert mit einigen Werbe-Stickern.

Sorgfältig lasse man ihn durchweichen, dann schicke man ihn da und dort hin, so unbequem wie möglich, so daß er keinen Samstag oder Sonntag mehr bei seiner Frau oder Familie sei.

Man genieße ihn heiß, rot, herzklopfend, aus allen Poren Glück versprühend, weil er gerade das Ziel überquert hat an irgendeiner Position des Klassements. Ebensogut ist er aber, wenn er - stets sehr erhitzt - erklären muß, warum ihn der soundsovielte Defekt zum Rückzug zwang.

Absolute Pflicht in diesem Falle eine Beilage aus Flüchen und Schimpfworten jedweder Art.

Das ist der Gentleman-Driver, hartnäckiger Verteidiger des Motorsports, unempfindlich gegenüber Widrigkeiten und Rückschlägen, resistent gegen Mühen und Opfer, pflichttreu dem Sportgesetz, ein Signore von Sportlichkeit und ritterlichem Benehmen, überall präsent, immer sein eigenes ausgebend, Freiwilliger der selben Risiken wie jene, die dafür, daß sie sie eingehen, im Gegensatz reichlich bezahlt werden, bereit zu allem, auch Krumen des Erfolgs aufzusammeln, nur um seiner großen, immensen Passion für den Automobilsport Ausdruck geben zu können.

 

*Freie Adaption aus : Franco Gozzi „Alla destra del Drake“, Giorgio Nada Editore, Milano 2002, Courtesy of Giorgio Nada Editore


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