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Interview mit Stefan Rupp und Thomas Gerhofer

Motorsport mit historischen Automobilen –
enormes technisches Know-How und wo beginnt die Replika

Was ist aus Sicht des Sammlers so reizvoll, besonders faszinierende Sportwagen im Renneinsatz zu bewegen?

Stefan Rupp: Meine Fahrzeuge sollen nicht rumstehen, sondern das machen, wofür sie geschaffen wurden – Spaß beim Fahren, zeigen was möglich ist und Ehre den Technikern machen, die sie erschaffen haben!

Jeder Sportwagen, jedes Rennauto repräsentiert eine bestimmte Konstruktionsphilosophie. Das kann man natürlich am statischen Objekt studieren, aber richtig Gaudi ist’s erst, wenn man’s im wahrsten Sinne des Wortes erfährt.

 

Die Scuderia GT betreut unter anderem den Alfa Romeo 155 V6 Ti, einen von vier offiziellen Werkswagen aus dem International Touring Car Championship 1996, seinerzeit pilotiert von Giancarlo Fisichella. Was sind die technischen Herausforderungen bei einem solchen Einsatz?

Thomas Gerhofer: Der technische Aufwand ist enorm. Die Technik in diesem Fahrzeug ist komplexer als in einem zeitgenössischen Formel-1. Allradantrieb, elektronisch-hydraulisch gesteuerte Getriebe, Differentiale, einstellbare Stabilisatoren und Spoiler, dazu kommt ein Motor mit pneumatischer Ventilsteuerung, Push-Rod-Feder-Dämpfer-Elemente und eine acht-Kolben-Bremsanlage.

Das alles muß erst mal auch nach 22 Jahren funktionstüchtig und sicher erhalten werden.

Stefan Rupp: Ich fahre mit dem Alfa bekanntlich die Rennen der „Tourenwagen Classics“. Die Serie ist mit einem exzellenten Starterfeld der Top-Fahrzeuge aus der Glanzzeit der DTM/ITC und den Profi-Piloten von einst extrem „competitive“. Da geht’s schon richtig zur Sache. Eben wie damals, als die Fahrzeuge aktuell waren.

Die alten Haudegen schenken sich und dem Material nichts.

 

Der Siegeswille ist ungebrochen. Und das läßt sich technisch bewältigen? Der Materialverschleiß muß doch gigantisch sein?

Thomas Gerhofer: Das ist echter Motorsport. Alle 800 Rennkilometer revidieren wir beispielsweise die Triebwerke komplett.

Stefan Rupp: Ich muß den Jungs von der Scuderia GT ein dickes Kompliment machen. Die haben sich in einer extrem steilen Lernkurve ein phantastisches Know-How angeeignet und beherrschen die Technik jetzt perfekt!

Thomas Gerhofer: Am Anfang haben wir uns in Italien mit den Ingenieuren in Verbindung gesetzt, die seinerzeit das Projekt entwickelt haben. Einige ehemalige Mechaniker aus dem Alfa-Werksteam standen uns mit Rat und Tat zur Seite. Bei aller Bescheidenheit kann ich sagen, heute verfügen wir über ein umfangreicheres Wissen, als die italienischen Freunde. Insbesondere was die Vorbereitung solcher Fahrzeuge für den echten Renneinsatz anbelangt. Bei den „Tourenwagen Classics“ sprechen wir ja über Rennen von 40 Minuten Dauer, nicht wie oftmals in Italien über Bergrennen oder Sprints mit 10 Minuten.

 

Wie ist die Ersatzteil-Situation?

Thomas Gerhofer: Zunächst konnten wir einen einmaligen Bestand an Originalteilen in Italien aufkaufen. Den zu finden war natürlich eine detektivische Aufgabe. Übrigens wird viel Schrott, gefälschte oder schlecht nachgebaute Teile angeboten.

Stefan Rupp: Wir lassen deshalb ganze Serien von Neuteilen extra für uns anfertigen.

Thomas Gerhofer: …bei renommiertesten Zulieferern, die auch für die Formel-1 arbeiten.

Stefan Rupp: Die Fertigung erfolgt nach Original-Teilen im Re-Engineering, also der Konstruktion anhand eines Originals, mit modernen Verfahren, Materialen und manchmal Detailverbesserungen.

 

Sind die Autos dann noch Originale oder nicht doch am Ende bloß noch Replika?

Thomas Gerhofer: Nein, wir erhalten absolut die Originalität. Alles bleibt wie im ursprünglichen Projekt. Zugegeben, an manchen Stellen muß einfach mit modernem Know-How nachgebessert werden. Dies gilt etwa für die Dauerfestigkeit der Komponenten, Bearbeitung mit aktuellen Qualitätsvorgaben, hin und wieder neuen Materialien. Wäre das anders, könnte man weder die Zuverlässigkeit, noch die Performance garantieren. Man will ja nicht riskieren, wegen einer 22 Jahre alten Bremsscheibe, die sich soeben in ihre Bestandteile auflöst, in die Leitplanke zu rauschen!


Stefan Rupp, Diplom-Ingenieur und Diplom-Kaufmann, hat in den vergangene jahren eine umfangreiche Sammlung faszinierender Automobile und Motorräder zusammengetragen. Der Unternehmer aus Landshut pilotiert seinen Alfa 155 V6 Ti ITC im Rennchampionat „Tourenwagen Classics“. 2018 gewann er auf dem Lausitzring und auf dem Nürburgring.

Thomas Gerhofer, KFZ-Meister und Eigentümer der Scuderia-GT, betreut mit seinem Team hochqualifizierter Spezialisten nicht nur den Alfa von Stefan Rupp, sondern seit über 30 Jahren Kunden in den verschiedensten Motorsport-Kategorien.

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